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e-Privacy Verordnung entwickelt sich im Schneckentempo


Blankovollmacht zum Tracking

Alle Jahre gibt es wieder mal etwas über die EU e-Privacy Verordnung zu berichten. Im Schneckentempo, gebremst von den Interessen der Lobbyverbände, entwickelt sich die mal in diese und in jene Richtung. Zumindest geht es langsam weiter und es besteht die Chance, dass die über 20 Jahre alte Regelung abgelöst wird.

Positiv wäre dann zu berichten, dass
  • ungewolltes Tracking durch Cookies beim Surfen im Netz bei elektronischer Kommunikation rechtlich besser geschützt sein soll,
  • eine Art digitales Briefgeheimnis geschaffen wird, das den Austausch von Anrufen und Nachrichten über internetbasierte Dienste wie WhatsApp ebenso gut vor kommerzieller Auswertung schützt wie normale Telefonanrufe,
  • Privatsphäre zur Standardeinstellung in Browsern werden muss.
Streit gibt es immer noch über die Rechte von Zeitungsverlagen. Die Werbeindustrie konnte sich bisher beim Sammeln von Metadaten auf „berechtigtes Interesse“ oder auf „kompatible Zwecke“ berufen. Das soll künftig nicht mehr gelten. Die Presseverlage wünschen sich jedoch eine Ausnahmeregelung, die der Entwurf in Artikel 8 nun für ihre Angebote vorsieht. Das Speichern von einigen Nutzerdaten über Cookies für werbefinanzierte Dienste „wie Online-Zeitungen und andere Pressepublikationen“ soll weiter erlaubt sein. Die aktuelle Formulierung erscheint vielen als Blankovollmacht, die erneut Rechtsunsicherheit bringt.

Auch der eigentlich schon erledigte Artikel 10 ist momentan wieder gestrichen. Das Parlament hatte sich gewünscht, dass ein hoher Privatsphärenschutz als Standardeinstellung im Browser vorgeschrieben wird. Auch die "proaktive" Kontrolle auf illegales Material, z.B. wie Darstellungen von Kindesmissbrauch, durch die Provider ist noch umstritten. Deutschland ist zumindest dafür, diese Zensur-Vorschriften aus der e-Privacy Verordnung herauszunehmen.

Warten wir also weiter auf den dringend benötigten Verbraucherschutz durch die e-Privacy Verordnung - es scheint keine Totgeburt mehr zu werden, aber der große Wurf wird es wohl nicht.

Mehr dazu bei https://netzpolitik.org/2020/online-tracking-womoeglich-letzte-chance-fuer-die-eprivacy-verordnung/
und https://www.aktion-freiheitstattangst.org/de/articles/7456-20201118-e-privacy-verordnung-entwickelt-sich-im-schneckentempo.htm

#ePrivacy #Verbraucherdatenschutz #Datenschutz #Datensicherheit #Zensur #Transparenz #Informationsfreiheit #Anonymisierung #Meinungsmonopol #Meinungsfreiheit #Pressefreiheit #Internetsperren #Netzneutralität #Cookies #Verfolgung #Tracking #Werbung #Datenklau #Überwachung #EU
 
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Firmenschilder ändern ist keine Lösung


TikTok Sperre wurde in der letzten Nacht abgewendet

Weltweites Internet - Fehlanzeige - Donald Trump wollte den chinesichen Apps WeChat und TikTok den Stecker ziehen. Ein Download der App sollte dann in den USA nicht mehr möglich sein. Ein Vorgehen, was an Abschaltungen von Internetdiensten wie im Iran, in Ägypten während des arabischen Frühlings und an chinesische Aktionen gegen Google erinnert.

Ab dem heutigen Sonntag sollte es in den USA nicht mehr möglich sein, TikTok und WeChat aus den App-Stores herunterzuladen, hatte das Handelsministerium verkündet. TikTok soll zudem ab dem 12. November für Nutzer in den USA auch nicht mehr funktionieren, für WeChat gilt das bereits ab heute.

Was ist der Vorwurf?

Wie die Tagesschau meldet, "begründet Trump das drohende TikTok-Aus mit Sicherheitsbedenken hinsichtlich der Daten der rund 100 Millionen Nutzer in den USA. Er fürchtet, dass Informationen in den Händen der Kommunistischen Partei landen könnten."

Wir nehmen mal an, dass so etwas wirklich passieren kann, wie auch die Daten der fast 2 Milliarden Facebook/WhatsApp Nutzer in den USA landen und in die Hände der Republikanischen Partei oder zumindest von US Datenhändlern gelangen - das "könnten" dürfen wir wohl streichen, denn dafür gibt es seit Jahren Belege [(A)soziale Netzwerke wissen mehr als wir denken].

Beenden wir schnell die Geschichte um TikTok in den USA: in der letzten Nacht gab es eine Einigung darüber, dass TikTok in den USA von Oracle und Walmart übernommen wird, so dass die Daten künftig bei Walmart das Geschäft ankurbeln dürften.

Für uns in der EU ändert sich dadurch nichts - für die US-Bürger fast auch nicht.

Deshalb werden wir weiter gegen (a)soziale Netzwerke kämpfen, die die Daten ihrer Kunden ungeniert nutzen und in Milliarden Dollar umwandeln. Deshalb unterstützen wir weiter die Kampagne der niederländischen Verbraucherorganisation SOMI, die zu einer Klage gegen TikTok in der EU aufruft. Die Vorwürfe der Foundation for Market Information Research (SOMI) gegen die TikTok Zentrale in Irland lauten
  • TikTok muss Benutzer für den Diebstahl privater Daten und die Verletzung der GDPR-Gesetzgebung (DSGVO) entschädigen,
  • Daten von Milliarden von TikTok-Benutzern werden weitergegeben,
  • TikTok hat heimlich Benutzerdaten gesammelt und nach China geschickt,
  • TikTok hat es versäumt, Kinder auf seiner Plattform zu schützen, wodurch sie möglicherweise Missbrauch ausgesetzt sind,
  • das Vorgehen von TikTok ist illegal und verstößt gegen das europäische Datenschutzrecht und die Datenschutzbestimmungen für Kinder.
SOMI lädt auf ihrer englischsprachigen Webseite dazu ein, sich an der Klage gegen TikTok zu beteiligen und will für alle TikTok Nutzer in der EU eine Entschädigung erstreiten.

Auch wenn wir dies für ein unterstützenswertes Vorgehen halten, so haben wir aus den vielen ergebnislosen Klagen gegen Facebook gelernt, dass man vor irischen Gerichten mit Forderungen zum Datenschutz sehr viel Ausdauer haben muss. So brachten im Fall von Facebook erst die Klagen von Max Schrems vor dem EuGH die Urteile bei denen die großen Datenkraken wirklich zusammenzucken.

Mehr dazu bei https://www.tagesschau.de/ausland/trump-tiktok-103.html
und https://tiktokclaim.org/en
und https://www.aktion-freiheitstattangst.org/de/articles/7396-20200920-firmenschilder-aendern-ist-keine-loesung.htm

#TikTok #USA #EU #DSGVO #Datenklau #Videoüberwachung #Verhaltensänderung #Verbraucherdatenschutz #Datenschutz #Transparenz #Informationsfreiheit #EUGH #Oracle #Walmart #Trump #Internetsperren #Netzneutralität
 
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Firewall auch auf dem Handy


Heise stellt die Firewall NetGuard vor

Seit Jahrzehnten haben wir uns daran gewöhnt, dass uns auf unserem PC zu Hause (und erst recht bei der Arbeit) eine Firewall gegen Angriffe aus dem Netz schützt. Aber was passiert auf dem Handy oder Tablet?

Auch dort sollten wir eine Firewall haben, auf die wir auch Einfluss haben. Wir wollen selbst entscheiden, welcher Datenverkehr uns nützt und wollen verhindern, dass unsere Daten einfach "abfließen". Heise hat aktuell die Firewall App NetGuard untersucht, mit der wir den Android-Apps gezielt den Internetzugriff nehmen oder auch nur diesen beobachten können.

Manche Apps brauchen wirklich den Internetzugriff aber viele Apps und Spiele nutzen die Verbindung nur, um das Nutzerverhalten an Trackingfirmen zu melden oder Werbung nachzuladen - und das sollten wir unterbinden.

Heise hatte in dem Artikel "Firewall für Android-Apps: Tracking, Werbung und Co. vermeiden" bereits ausführlich die kostenlose "Firewall ohne Root" von Grey Shirts vorgestellt. Aktuell geht es um die Open Source App NetGuard von Marcel Bokhorst. Nach der Installation von NetGuard bekommt man angezeigt, welche App Internetzugriffe will und kann diese erlauben oder verbieten.

So sollte eine Firewall funktionieren - Erinnerungen an eine der ersten Firewalls unter Windows, die Tiny Firewall, werden wieder wach ...

Mehr dazu bei https://www.heise.de/tests/Android-Firewall-NetGuard-Datenverkehr-von-Android-und-Apps-filtern-4716507.html
und https://www.aktion-freiheitstattangst.org/de/articles/7263-20200513-firewall-auch-auf-dem-handy.htm

#Firewall #Verbraucherdatenschutz #Datenschutz #Datensicherheit #Transparenz #Informationsfreiheit #Anonymisierung #Cyberwar #Hacking #Trojaner #Cookies #Datenklau #Werbung
 
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Laxer Umgang mit Schülerdaten


Welche Messenger und Conferencing Tools sind tragbar?

Darüber haben wir uns schon vor Corona Gedanken gemacht, z.B. unter Privatsphäre schützen oder in unseren Publikationen Anonym und sicher im Internet und Das Handy - dein unbekannter Begleiter. Das Ergebnis war stets, dass es wichtig ist auf Offenen Software (Open Source) zurückzugreifen, denn nur Programme, die von vielen menschen geprüft und kontrolliert werden können, bieten überhaupt die Chance, dass sie verantwortungsvoll mit unserer Privatsphäre umgehen.

Wie Heise berichtet sind die Datenschutzbehörden in Baden-Würtemberg gerade schwer in der Diskussion mit den Schulen und Behörden des Bundeslandes über die kollaborative Nutzung von Programmen für Video- und Audiokonferenzen.

Positiv ist zu festzustellen, dass Baden-Württemberg allen Lehrkräften des Landes den Sofortnachrichten-Dienst Threema Work zur dienstlichen Nutzung kostenlos zur Verfügung stellt. Anders als der leider oft verwendete und von Facebook angebotene Messenger-Dienst WhatsApp verhält sich Threem datenschutzkonform.

Der Landesdatenschutzbeauftragte hatte auch vor der Nutzung von Zoom für Schüler gewarnt und kann bisher nicht bestätigen, dass die Lücken in der Software beseitigt wurden. Erst vergangene Woche wurde der Fall bekannt, dass an einer Freiburger Schule während einer Video-Schulstunde mit Zoom pornografische Bilder eingespielt wurden.

Gerade in der kostenlosen Version sind die Zugriffsrechte und die Möglichkeiten des Moderator unzureichend. Darüber hinaus können Tracker etwa von Google persönliche Informationen über Schülerinnen und Schülern sammeln und Zoom behält sich vor nach einer Account-Kündigung nicht alle Daten der Nutzer zu löschen.

An Bildungseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen wird der "als sicherer geltende Videokonferenzdienst Webex des Unternehmens Cisco" genutzt. Auch hier entsprechen die AGBs nicht voll den europäischen Standards nach der DSGVO.

Baden Würtembergs Datenschützer hat noch ein weiteres Problem, denn das Kultusministerium will in den Schulen Microsoft Office 365 einsetzen, um Moodle abzulösen und das E-Mail-Hosting durch Microsoft organisieren. Datenschutzfreundliche Alternativen aus Europa, wie Posteo oder Mailbox.org wurden nicht berücksichtigt.

Mehr dazu bei https://www.heise.de/newsticker/meldung/Schulsoftware-Threema-ja-Zoom-und-Microsoft-Office-365-eher-nicht-4711961.html
und https://www.aktion-freiheitstattangst.org/de/articles/7251-20200501-laxer-umgang-mit-schuelerdaten.htm

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